Atlas

„Muss man sehen“ kulturmovies

Walter (Rainer Bock) ist kein Mann vieler Worte. Er beobachtet, hält sich raus, ganz so, als hätte er einen gewichtigen Grund dazu. Den hat er auch, wie wir später erfahren. Zu Hause stemmt er Gewichte, tagsüber schleppt er als Möbelpacker große Schränke, abends bindet er sich das Stützkorsett ab, bevor er auf dem Küchenfußboden liegend seinen alten, vom Gewicht auf seinen Schultern geschundenen Rücken einrenkt. „Jeder legt sich seine Last selber auf und jeder muss sie auch selbst tragen“, sagt Walter, wenn er etwas sagt. Sein Boss hat sich mit kriminellen arabischen Clans eingelassen, kauft billig Häuser in Frankfurt, entmietet sie, verkauft sie dreifach so teuer wieder, so wäscht er das Geld der Gangster. Bei einer gescheiterten Entmietung trifft Walter einen jungen Familienvater, in dem er seinen Sohn wiedererkennt, den er nicht erzogen hat – und der durch seinen Widerstand gegen den Auszug in Gefahr gerät …

„Atlas“ zeigt eine Welt der Starken

Regisseur David Nawrath macht sein Debüt zum Rainer-Bock-Film; der meist als Nebendarsteller glänzende 64-Jährige (u. a. „Das weiße Band“) spielt die Rolle seines Lebens. Nawrath umgibt ihn dafür mit großartigen Kollegen und Kolleginnen wie Thorsten Merten, Uwe Preuss, Albrecht Abraham Schuch und Nina Gummich. Die machen diese stilsichere, atmosphärische Tragödie mit zum bedrückenden Bericht aus einer Welt, in der die Schwachen sich der Starken nur mit Gewalt erwehren können, wenn sie den Preis dafür zu zahlen bereit sind. Die anderen gehen einfach ein. Walter steht am Ende ganz kinoklassisch und ikonografisch (der Filmtitel) für seine Versäumnisse gerade, der Gangster unterschätzt ihn. Aber wer so lange das Gewicht des Schmerzes und der Einsamkeit auf den Schultern trug, der muss diese Riesentonnenlast irgendwann abwerfen – und irgendwer bekommt sie ab. vs

Atlas (Poster)