Antares – Studien der Liebe

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Ein trister Wohnsilo im diesigen Grau. Menschen sind auf engstem Raum zusammengepfercht. Man kennt sich vom sehen, aber weiß so gut wie nichts voneinander. Um diesen Zustand des Aneinandervorbeilebens zu verdeutlichen, führt Götz Spielmann drei Episoden aus dem Häuserblock auf virtuose Weise zusammen: Eva hat eine leidenschaftliche Affäre mit einer Zufallsbekanntschaft. Sonja, krank vor Eifersucht, täuscht ihrem Freund Marco eine Schwangerschaft vor, und Nicole, eine allein erziehende Mutter, wird von ihrem Ex-Mann terrorisiert. „Studien der Liebe“ verspricht der Untertitel. Das erklärt den wissenschaftlichen Eifer, mit dem Spielmann seine Laborsituation konzipiert hat: ohne Musik und ohne künstliches Licht filmt er seine Schauspieler wie Versuchskaninchen, lässt sie hemmungslos vögeln, haarsträubend dumm und gewalttätig sein – Authentizität bis zur Schmerzgrenze. Marco betrügt Sonja, während er mit dem Hund Gassi geht, Alex knebelt seine Ex-Frau, damit sie nicht um Hilfe schreit, wenn er Pizza bestellt. Immer zeigt der Film etwas mehr, als man eigentlich sehen will. Das ist gut gemeint, Studien der Liebe sind das aber nicht – eher der Besuch in einem Kuriositätenkabinett. (fs)

Antares - Studien der Liebe (Poster)