Another Year

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Poppy ist zurück. Die Heldin aus Mike Leighs Komödie „Happy-go-lucky“ (2008) ist um rund 25 Jahre gealtert, heißt Mary (Lesley Manville), arbeitet im Sozialamt und ist ebenso hemmungslos gut drauf wie ihre Vorgängerin. Nur dass dieses Gut-drauf-sein einen Zug ins Verbitterte, auch ins Böse bekommt, der sich in zu tiefen Ausschnitten und zu viel Weißwein äußert. Mary sucht einen Partner, Mary lässt sich von einem älteren Paar bekochen, Mary nervt. Damit ist die Handlung von Leighs „Another Year“ schon umrissen: vier Jahreszeiten, vier Kapitel, vier Essenseinladungen. Ganz nüchtern zeichnet der Pionier des New British Cinema dieses Milieu am Rande der Wohlstandsgesellschaft und findet dafür unaufgeregte, klare Bilder. Bilder, bei deren Formwillen der Soundtrack leider nicht mithalten kann: Allzu oft kleistern kitschige Streicher die stillen Szenen zu. Mit der fürs New British Cinema typischen Politik aber hat „Another Year“ rein gar nichts mehr zu tun: Es geht hier nicht mehr um Marxismus oder Kapitalismus, es geht um Menschlichkeit. (fis)

Another Year (Poster)