Anonymus

„Kann man sehen“ kulturmovies

Sein Kurzauftritt in „Harry Potter“ hat Rhys Ifans anscheinend auf den Geschmack gebracht für zu viel Schminke und pompöse Kostüme. Und Kostüme braucht ein Drama über den wahren Shakespeare natürlich – ansonsten hätte der Film aber gern weniger dick auftragen können. Doch wenn Roland Emmerich auf dem Regiestuhl sitzt, sind die Dimensionen stets etwas größer, und daher ist „Anonymous“ ist ein actiongespicktes Komplott um Macht, Verblendung, Inzest und Betrug. Shakespeare (Rafe Spall) ist der wahrscheinlich erste Stagediver der Geschichte, sonst aber ein Blender. Der eigentliche Autor der Stücke ist der Earl of Oxford (Ifans), und dem ebenso genialen wie strategischen Denker schwebt weit mehr als die Unterhaltung des Volkes vor. Doch nimmt sich Emmerich wenig Zeit für die Psychologie seiner Hauptfigur, und so äußern sich die Seelenqualen des Earls vornehmlich in wirrer Frisur nach durchgeschriebenen Nächten, Streit mit seiner Frau und – schließlich soll das ganze Shakespearesche Ausmaße haben – Mord. Dem größten Poeten aller Zeiten hätte man ein bisschen mehr Gefühl gewünscht. (kab)

Anonymus (Poster)