Anomalisa

„Muss man sehen“ kulturmovies

Die Imperfektion des Menschen und deren Anerkennung angesichts des allgegenwärtigen Zwangs zur Selbstoptimierung – das sind die Kernthemen von Charlie Kaufmans Puppenfilm. Protagonist Michael ist als Motivationstrainer selbst erfolgreicher Verkäufer von Illusionen – doch der von ihm mitlancierte Druck nach Anpassung hat sich längst gegen ihn gewandt: Alle Menschen um ihn herum erscheinen ihm in Stimme und Gestalt identisch. Erst in der von Selbstzweifeln geplagten Lisa findet er eine einzigartige Stimme – die ihm aber doch nur solange die ersehnte Erfüllung bieten kann, bis sein Ideal an der eigenen Realität zerschellt. Kaufman kommt dem Wesen des Menschen schmerzlich nah, ohne aus dem Stop-Motion-Ansatz einen Widerspruch zu kreieren. Erst allmählich entdeckt man die Lücke, an der die Köpfe der naturalistisch gestalteten Figuren zusammengesetzt sind, schließlich sogar Fingerabdrücke – ein Abbild des Menschen in seiner wunderbaren Unvollkommenheit, gleichzeitig ein Verweis auf seine Abhängigkeit. (sb)

Anomalisa (Poster)