Ana, Mon Amour

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Nach seinem Berlinale-Gewinner „Mutter & Sohn“ 2013 handelt auch Călin Peter Netzers neuer Film von einer Beziehung im Ausnahmezustand: An die Stelle der überfürsorglichen Mutter tritt hier Endzwanziger Toma, der sich aufopferungsvoll um seine Freundin kümmert – Ana leidet unter Depressionen, kämpft mit Angstattacken, und Toma muss sich sogar gegen seinen altpatriarchalischen Vater wenden, der seinem Sohn eine andere Partie wünscht als „so eine Verrückte“. Doch Netzers Psychogramm handelt eigentlich nicht von Anas Krankheitsweg: Wo eine klassische Entwicklungsgeschichte aufs vorläufige Happy End zusteuern würde, vollzieht „Ana, mon Amour“ eine radikale Kehrtwende – indem Ana dem Zustand der Abhängigkeit entwächst, verliert Toma seine Wichtigkeit, und so handelt der Film vor allem von seiner männlichen Geltungskrise. Die interessanten Rollenverschiebungen entfalten aber nur zum Teil ihre Wirkung: Die nonlineare Erzählweise verkompliziert und schafft Distanz, während der Film eben diese an den falschen Stellen nicht kennt – so rückt die Kamera Ana teils unangenehm auf die Pelle und hält voll drauf, wenn Toma ihr nach einem missglückten Selbstmordversuch unter der Dusche ihre Fäkalien abspült. Liegt es daran, dass Netzer bei aller analytischen Schärfe letztlich keine seiner Figuren besonders mag? sb

Ana, Mon Amour (Poster)