Amores perros

„Muss man sehen“ kulturmovies

Ein Drama von zweieinhalb Stunden Länge. Und keine Minute davon ist langweilig. Inárritus Erstling wurde viel diskutiert und mehrfach ausgezeichnet. Es geht um Verrat, Tod und extreme Gewalt, aber auch um Läuterung, Liebe und Hoffnung. Farbenprächtig und fast dokumentarisch schildert Inárritu drei verflochtene Lebensgeschichten, die sich in der 21-Millionen-Metropole Mexico City abspielen. Octavio (Bernal), ein haltloser Hallodri, ist in seine Schwägerin verknallt. Mit ihr will er aus dem Elend abhauen. Schauplatzwechsel: ein luxuriöses Appartement. Hier lebt der erfolgreiche Redakteur Daniel (Guerrero) mit einem Model. Für die exaltierte Grazie hat Daniel soeben Frau und Kinder sitzen lassen. Weiterer Cut: El Chivo (Echevarría), einst Revolutionär, heute Auftragskiller, bricht weinend am Telefon zusammen, als er seiner unehelichen Tochter sein Versagen als Vater eingesteht. Hunde spielen in allen drei Geschichten eine verknüpfende und essenzielle Rolle. Ihre Kämpfe symbolisieren eine Spirale von Gewalt, die über allen Figuren und Schicksalen wie ein schwerer Schleier liegt. Inárritu’s Bilder berühren durch ihre achterbahnartige Kraft und Poesie tief, schockieren aber mit ihrer rohen Brutalität. Die exzessiven Rock- und Technoklänge sowie die virtuos-experimentelle Kameraführung erinnern gelegentlich an Soderberghs „Traffic”. Ohne Zweifel lä“st sich das oscar-nominierte Drama in seiner Bedeutung mit „Pulp Fiction“ oder „Trainspotting“ vergleichen. Deshalb: Chapeau! (kd)

Amores perros (Poster)