Ammonite

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Ammonite | Kritik

Mary Anning lebt Mitte des 19. Jahrhunderts als Paläontologin an der englischen Südküste. Von der Eitelkeit des Londoner Wissenschaftsbetriebs hat sie sich angewidert zurückgezogen, jetzt findet sie Erfüllung darin, Fossilien aus den Klippen zu buddeln, die sie mal an ignorante Touristen verscherbelt, mal verbittert der Forschung übergibt. Der Wissenschaftler Roderick Murchison parkt seine Frau Charlotte bei der Eigenbrötlerin, einerseits, weil er hofft, die kränkelnde Gattin würde an der Küste aufblühen, andererseits wohl auch, um sich der Verantwortung zu entledigen. Dass sich die beiden Frauen ineinander verlieben, hätte er allerdings wohl nicht erwartet …

Francis Lee macht mit seinem halbbiografischen (die Figur Mary Anning ist real, die Liebesgeschichte nicht) Film „Ammonite“ viel richtig: Mit Lässlichkeiten wie einer homophoben Umgebung oder sexuellem Erwachen hält er sich nicht auf, stattdessen zeichnet er die Annäherung zweier Frauen in stilvoll-zurückhaltenden Bildern nach. Symptomatisch, dass sich der Klassenunterschied als größte Herausforderung für das Liebespaar erweist, dem man in der Verkörperung durch Kate Winslet und Saoirse Ronan mitfühlend zuschaut. Gleichwohl: ein bisschen weniger Ausstattung, ein bisschen mehr Mut zum unerwarteten Bild hätte diesem Film gut getan, einem Film, der seine Figuren so ernst nimmt, dass er dabei gar nicht merkt, wie er so tief in der Konvention watet wie Mary in der brackigen Flut. fis

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Ammonite | Besetzung

Ammonite (Poster)

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