Amelia

„Kann man sehen“ kulturmovies

Wem Martin Scorseses historisches Fliegerdrama „Aviator“ zu protzig und testosterongeschwängert war, der bekommt von Regisseurin Mira Nair („Vanity Fair“) nun das weibliche Pendant. Wie so oft in Frauenfilmen macht die Liebesgeschichte, hier zwischen Pilotin Amelia Earhart (Hillary Swank) und ihrem Förderer George Palmer Putnam (Richard Gere), die eigentliche Handlung zur Nebensache: Als erste Frau fliegt Earhart 1932 über den Atlantik und versucht sich Jahre später an einer waghalsigen Erdumrundung. Während es Scorsese gelang, Fliegerpionier Howard Hughes als abgründigen und größenwahnsinnigen Charakter einzufangen, gibt sich Nair mit oberflächlicher Heldenverehrung zufrieden, wodurch der Film mitunter so langatmig ist wie ein Transatlantikflug mit defektem Boardentertainment. Hillary Swank spielt die Earhart zwar mitreißend, und die Bilder von ratternden Propellerfliegern in luftigen Höhen faszinieren – doch sie sind nur schmuckes Beiwerk eines faden Biopic. (ds)