Am Tag als Bobby Ewing starb

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Am Anfang gibt es wildbewegte Schwarzweiß-Bilder: Wasserwerfer, wogende Demonstrantenmassen, Hubschrauber. Doch den Doku-Szenen vom Kampf gegen das Atomkraftwerk Brokdorf folgt kein politischer Film, sondern ein nostalgieseliger Trip durch die norddeutsche Provinz der Achtziger. Das AKW ist längst am Netz, nur eine Landkommune klammert sich noch an ihren alternativen Lebensstil, angeführt von einem Peter Lohmeyer mit Latzhose und Zottelhaar. In diese Welt von Urschreitherapie und anti-imperialistischem Getreidekaffee stolpern die Städterin Hanna und ihr Sohn Niels (präzise: Franz Dinda). Mit entsättigten Farben und ruhiger Bildführung schafft Regiedebütant Jessen eine Ästhetik, die so unspektakulär ist wie die Welt, die sie abbildet. Erst als sich Niels in die Tochter des Bürgermeisters verliebt, nimmt der Film Fahrt auf: Auf dem Moped streifen die beiden durch das flache Land hinterm Deich, und auch die Kamera gerät endlich in Bewegung. Dann gibt es im fernen Tschernobyl einen Knall … Gekonnt vermischt der Film private und öffentliche Geschichte, Coming-of-Age-Drama und Typenkomödie der Art Detlev Buck. Doch obwohl er ein politisch wichtiges Thema behandelt – die 68er und ihr Erbe – , findet er keine politische Haltung. Alt-Hippies und Neokonservative können hier einträchtig zusammen schmunzeln. (arm)

Am Tag als Bobby Ewing starb (Poster)