Alpen

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Man könnte es für eine seltsame Nebentätigkeit in der gigantischen Wirtschaftskrise des Landes halten: Vier Griechen nehmen als morbider Eskortservice namens Alpen im Leben der Hinterbliebenen die Plätze von Verstorbenen ein, tragen ihre Kleidung, sprechen Konversationen nach, schlafen in ihre Betten. Warum sie, die alle auch andere Jobs haben, das tun, erklärt Regisseur Giorgos Lanthimos in seinem Kunstfilm nicht; auch nicht, warum der Alpen-Chef Fehler brutal bestraft. Lanthimos, der seine Filme in der erodierten Filmwirtschaft nur mithilfe von Freunden stemmen kann, gibt mit einer an Arroganz grenzenden Attitüde keinerlei Anwort. Seine grotesken Rollenspiele finden in streng formalistischen, farbkräftigen Bildern statt, selten sieht man mehr als eine Turnhalle, ein Zimmer, ein Bett, ein Gesicht. Kühl und kalkuliert isoliert der Film seine Figuren selbst in der Interaktion mit anderen. Oder reflektiert er nur eine erkaltete Gesellschaft voller isolierter Individuen? Die Metaphernhaftigkeit ist die Stärke dieses surrealen Films – und auch seine größte Schwäche. (vs)

Alpen (Poster)