Alois Nebel

„Muss man sehen“ kulturmovies

Das Altvatergebirge im Nordosten Tschechiens ist eine liebliche Landschaft, einsam und märchenhaft. Aber es ist auch eine zerstörte Landschaft, in die sich die Verheerungen des 20. Jahrhunderts eingebrannt haben: Faschismus, Vertreibung, Stalinismus, der brutale Übergang zum Kapitalismus. Hier lebt der eingenbrötlerische Fahrdienstleiter Alois Nebel an einem kleinen Bahnhof, ein genügsames, ein unaufgeregtes Leben, in das die Alpträume der Geschichte wie Gespenster eindringen. „Alois Nebel“ ist eigentlich eine Graphic Novel von Jaroslav Rudis, die nun von Tomás Lunák kongenial verfilmt wurde, inklusive der Drastik und der beunruhigenden Erinnerungssequenzen der Vorlage. Lunák steht in der langen Tradition tschechischer Trickfilme, wo man auf die heute üblichen Animationen verzichtet und stattdessen das aufwändige Rotoskopieverfahren einsetzt. Das Ergebnis sind statische, düstere Bilder, die von harten Schwarzweiß-Kontrasten leben. „Alois Nebel“ ist eine Mischung aus gezeichnetem Geschichtspessimismus, Kriminalhandlung und Sozialmelodram – wenn Aki Kaurismäki Trickfilmer wäre, dann sähen seine Filme so aus. (fis)