Alles was kommt

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Die demente Mutter ruft ständig die Feuerwehr, der Buchverlag zickt bei der Neuauflage ihrer philosophischen Lehrbücher herum, und dann wird die Philosophielehrerin nach 25 Jahren auch noch von ihrem Mann verlassen. Doch Nathalie (Isabelle Huppert) ist keine Frau, die sich unterkriegen lässt. Zwar haut sie Sätze raus wie „Manchmal habe ich das Gefühl, uns Frauen ab 40 kann man einfach auf den Müll werfen“, aber das ist Reflexion, nicht Wehleidigkeit. Überhaupt geht es in der Philosophenfamilie angesichts der Trennung nicht um Existenzielles. Nathalie perfektioniert das Kopfüber-in-die-Tonne-Stoßen schönster Blumensträuße, fordert den vom Ex mitgenommenen Schopenhauer zurück und besucht einen ehemaligen Schüler in seiner Landkommune. Regisseurin Mia Hansen-Løve lässt ihre Protagonistin gefühlt mehr als die Hälfte des Films über zu Fuß gehen – zügig, zielstrebig, nie zögerlich. Dass ein Changieren zwischen diesem Selbstbewusstsein und einem Sich-treiben-Lassen auf den sanften Wellen der Verlassenheit eine schauspielerische Steilvorlage für die großartige Isabelle Huppert ist, war klar. Allerdings lässt Hansen-Løve ihre Hauptdarstellerin in der Leerstelle zwischen dem alten und einem neuen Leben von Nathalie allein. So verliert sich der Film in diesem Vakuum und ist mehr Versuchsanordnung als Drama. (jw)

Alles was kommt (Poster)