Alles steht Kopf

„Muss man sehen“ kulturmovies

Wo kriegt man als familienorientiertes Animationsstudio die zielgruppenfähigsten Ideen her? Na klar, aus der eigene Familie. Pixar-Regisseur Pete Docter kreirte aus den Ängsten seiner dreijährigen Tochter schon den Wandschrank-Klassiker „Die Monster AG“ (2001). Docters Spross wuchs, wurde elf, und Docter machte nun wieder einen Film draus. „Alles steht Kopf“ handelt von dem Übergang eines Mädchens zur jungen Frau, der Phase, in der einfache, starke Emotionen zum Gefühlswirrwarr einer Präpubertierenden werden. Daher kämpft im Film die Hauptemotion Freude mit Wut, Angst, Ekel und Kummer im Verstand der von einem Umzug verwirrten Riley um die Vorherrschaft ihrer Empfindungen. Als Freude und Kummer aus dem Hypothalamus-Hauptquartier hinausgeschleudert werden, müssen die beiden Gefühlsantagonisten zusammenarbeiten, um wieder ans Steuer von Rileys Stimmungen zu gelangen – denn nur mit Ekel, Wut und Angst kann keine Heranwachsende bestehen …

„Alles steht Kopf“ ist der wohl intellektuelleste Animationsfilm, der für Kinder je gedreht wurde

Der Kopf eines Menschen als knallbunte Landschaft aus Themenpark, Schutthalde (verblasste Erinnerungen), Filmstudio (Träume) und Dekonstruktions-Raum (abstraktes Denken) – Picasso und Dalí, Freud oder Jung dominieren dieser surrealen Geistesgefilde eher als Disney und Uderzo, Dickens oder Rowling. Das führt zu dem wohl intellektuellesten Animationsfilm, der für Kinder je gedreht wurde, und der selbst Erwachsenen Denkschwindel beschert. Wie entwickelt sich das Ich? Wo kommen unterbewusste Ängste her? Warum empfinde ich, was ich empfinde, und warum grad jetzt? Was ist ES? Docters intelligente und überbordende Tochterstudie ist gleichzeitig ein wehmütiger Film über das Ende der Kindheit – die von Docters Tochter. Persönlicher war ein aus dem Rechner stammender Film nie. (vs)

Prädikat besonders wertvoll

Alles steht Kopf (Poster)