Alles Geld der Welt

„Kann man sehen“ kulturmovies

Das hat es wohl noch nicht gegeben: Der Regisseur schneidet einen Star aus seinem Film heraus, weil dieser einer kriminellen Handlung verdächtigt wird, und dreht alle Szenen mit ihm kurzerhand neu. Ridley Scott tat dies mit Kevin Spacey, der sich zahlreichen Vorwüre sexueller Belästigung gegenüber sieht – Scott wollte nicht, dass „Alles Geld der Welt“ wegen dieser Anschuldigungen floppt. Spaceys Rolle als Ölmagnat J. Paul Getty übernahm daher Christopher Plummer. Dem Film sieht man die nachträglichen, knapp zehn Millionen Dollar teuren Dreharbeiten kaum an, nur Mark Wahlberg als Gettys Sicherheitsschef hat in diesen Szenen kürzere Haare. Man sieht dem Entführungsthriller um Gettys Enkel aber sehr wohl an, dass er auch ohne Spaceys Beteiligung eher floppen wird: Zu unfokussiert und fragmentiert erzählt Scott die Geschichte über Gier und darüber, was manischer Geiz aus einem Menschen macht. Voller Minirückblenden und angerissener Handlungsstränge ist der Film und voller Figuren, die nie wirklich miteinander agieren. Da nützen auch die vielen Szenen nichts, die in italienisches Sonnenlicht getaucht sind wie ein Urlaubsfoto, oder die höllenartige Atmosphäre holzgetäfelter Schlosszimmer fühlbar machen wie eine brennende Zigarre oder ein bequemer Ledersessel. „Alles Geld der Welt“ kann zwar einen Menschen aus einem Kunstwerk entfernen – ein besseres Kunstwerk garantiert es aber auch nicht. vs

Alles Geld der Welt (Poster)