„Allein“

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Maria treibt es regelmäßig mit beliebigen One-Night-Stands. Sie säuft sich Mut an und die Einsamkeit weg, und wenn sie es anders nicht mehr aushält, ritzt sie sich die Arme auf. So hermetisch wie Marias Welt ist auch der Film, der sich ganz auf seine Hauptdarstellerin Lavinia Wilson konzentriert, ihrem Übermut und Verzweiflung einfach nur zuschaut. Ganz wie Jan, der im Zoo arbeitet, den ganzen Tag vorm Affengehege Notizen macht und sich in der Bibliothek in Maria verliebt. Melancholische Klaviermusik in Satie-Manier lullt ein, Kamera, Kostüm und Ausstattung tauchen Marias Käfig in ein farblich kunstvoll abgestimmtes Kuschelgefühl, das manchmal in befremdliche Kitschnähe rutscht, aber immer wieder von Wilson gebrochen wird. Innerhalb von 45 Sekunden arbeitet sie sich von verliebt über beleidigt bis hin zur trotzigen Arroganz – das ist schauspielerische Millimeterarbeit, die sich auch gegen die vorhersehbare Handlung behauptet. Dafür erhielt die 25-Jährige auf dem Max-Ophüls-Festival den Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin. (rk)

"Allein" (Poster)