All Is Lost

„Sollte man sehen“ kulturmovies

J. C. Chandors Zweitling ist das exakte Gegenstück zu seinem Dialog- und Ensemblefilm „Margin Call“ von 2011: „All is lost“ ist ein Ein-Mann-Stück, bis aufs Äußerste reduziert, naturalistisch und abgesehen von einem Zitat aus dem Off und einem inbrünstig-verzweifelten „Fuck!“ gänzlich wortlos. Robert Redford spielt so kraftvoll wie glaubwürdig einen namenlosen Skipper, im Abspann als our man gelistet, der nach der Kollision seines Segelschiffes mit einem umhertreibenden Container voller Turnschuhe allein auf hoher See ums Überleben kämpft. Bevor der Film den streng subjektiven Blickwinkel um Bilder von der Unterwasserwelt erweitert, die ersten dunklen Wolken am Horizont aufziehen und die Spannungsschraube deutlich anzieht, lässt Chandor sich etwa eine Stunde Zeit, die ausweglose Situation des (Anti-)Helden fühlbar zu machen. Der Vergleich mit dem Science-Fiction-Drama „Gravity“, das sich bei einem ähnlich minimalistischen Sujet als Kassenmagnet erwies, ist nicht abwegig – doch geht Chandor um einiges subtiler vor: Wenn Redford selbst dann, als ihm das Wasser schon bis zu den Knien reicht, noch am Ritual der morgendlichen Rasur festhält, sagt das mehr über den menschlichen Überlebensdrang aus als jede pathosgetränkte große Geste. (sb)

All Is Lost (Poster)