Alki Alki

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Ob in seinem Debütfilm „Dicke Mädchen“ oder im teils autobiografischen Zweitling „Ich fühl mich Disco“: Das Improvisationskino von Axel Ranisch ist mit seiner Verspieltheit und seinen fantastischen Elementen eine singuläre Erscheinung im deutschen Kino. Ranisch gibt sich selber dabei nicht die Funktion des Regisseurs, sondern des Spielleiters; er leitet die Improkunst seiner Stammschauspieler Heiko Pinkowski, Peter Trabner und Christina Große an. Nach den Kinderfilm „Reuber“ hat Ranisch nun das erste Mal einen Film gedreht, der nicht von homosexueller Erweckung handelt, sondern von einer klassischen Geschichte des Kinos, von „Das verlorene Wochenende“ über „Leaving Las Vegas“ bis „Der Trinker“: der Kampf eines Mannes gegen den Alkohol. Tobias (Pinkowski) hat zwar eine Familie und einen guten Job, aber seine wahre Leidenschaft gilt seinem besten Kumpel Flasche, von Ideengeber Trabner in Manier eines unsichtbaren Freundes gespielt, der sich zu Tobias und seiner Frau auch mit ins Bett legt.

„Alki Alki“ liegt zwischen Tragikomik und absurdem Humor

Die erste Hälfte passt Ranischs leichtfüßig-märchenhafter Stil nicht zu diesem ernsten Thema, das auch nach einem Warum für die Trinkerei verlangt, was Ranisch und seine Kompagnons aber nicht liefern. Erst als Tobias in einer Rehaklinik landet und er mit Flasche auf die besten Freunde anderer Suchtkranker trifft, kann der Film sein innovatives, zwischen Tragikomik und absurdem Humor liegendes Potenzial entfalten. Und hier, am Bodden auf Fischland Darß, findet der fantastische Spielleiter Ranisch auch etwas, das in Zukunft noch eine größere Rolle in seinen Filmen spielen kann und sollte: Ruhe und das ganz normale, ernste, bittersüße Leben. (vs)

Prädikat besonders wertvoll

Alki Alki (Poster)