Alexander McQueen – Der Film

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Ein gläserner Kasten steht mitten im Raum. Darin laufen Models auf und ab, ihre Kleider sind grotesk, um ihre Köpfe ist weißer Verband gewickelt. Rundherum haben sich Fotografen versammelt, doch die Models können nicht sehen, was draußen vor sich geht: Der Kasten ist von innen verspiegelt. Die Modenschau „Voss“ aus dem Jahr 2001 ist nur eines von Alexander McQueens polarisierenden Laufstegexperimenten. Als Enfant terrible der Modeszene bekannt, reizte er bis zu seinem Selbstmord 2010 immer wieder die Grenzen des guten Geschmacks aus. Die Regisseure Ian Bonhôte und Peter Ettedgui haben in ihrer Dokumentation über den Designer eindrucksvolle Bildern vor und hinter den Kulissen zusammengestellt. Dabei vollziehen sie McQueens Werdegang verständlich nach, ohne beim Zuschauer modisches Fachwissen vorauszusetzen. Nur: Mit Kritik an ihrer Ikone haben die beiden ihre Schwierigkeiten. Den Vorwürfen der Frauenfeindlichkeit, denen sich McQueen 1995 mit der Kollektion „Highland Rape“ ausgesetzt sah, wird eine Sequenz über McQueens eigenen erlittenen Missbrauch durch seinen Schwager hinterhergeschoben – was beiden Punkten die Brisanz nimmt. Ein bewegendes Künstlerporträt, von dem man sich aber mehr Offenheit gewünscht hätte. mm

Alexander McQueen - Der Film (Poster)