Ajami

„Sollte man sehen“ kulturmovies

„Bis es einen selbst betrifft, sind es nur Fernsehnachrichten“, sagt eine der Hauptfiguren von „Ajami“. Es könnte der Leitspruch des Films sein, der wie durch ein Kaleidoskop einen Blick auf das komplizierteste Land der Welt wirft: Israel. Mit Hilfe kunstvoll ineinander verschränkter Episoden beschreiben die beiden Regisseure Scandar Copti, ein arabischer Christ, und Yaron Shani, ein israelischer Jude, wie die große Politik sich auswirkt auf die Menschen. Ob Jude, Moslem oder Christ, mit israelischem Pass oder als illegaler Einwanderer, als Restaurantbesitzer oder Küchenhilfe, Drogendealer oder Polizist: Die Umstände machen die Figuren zu Akteuren oder Opfern – und die Rollen wechseln beständig. In einfachen, halbdokumentarischen Bildern fangen Copti und Shani einen Alltag ein, in den immer wieder die Gewalt einbricht. Es sind unkalkulierbare Eruptionen, in denen sich die Spannungen zwischen Kulturen, Ethnien und Milieus entladen – wie die aneinander reibenden Kontinentalplatten bei einem Erdbeben. Am Ende aber hat man Israel ein wenig besser verstanden. (to)

Ajami (Poster)