Aimée und Jaguar

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Schauspieler/Innen, die vom Theater kommen und die dort erlernte Künstlichkeit vor der Kamera nicht ablegen können, verhindern die Übertragung der Emotionen von der Leinwand aufs Publikum. Ein ungeschriebenes Gesetz, das in Färberböcks Liebesgeschichte zweier Frauen im Dritten Reich ein weiteres Beispiel findet. Maria Schraders exzellentes und organisches Spiel als exalierte Jüdin Felice wird geschmälert von der bühnenhaft agierenden Juliane Köhler alias Lilly, deren Darstellung von Leid sich in wildem Geheule und hysterischen Geschreie erschöpft und in einer Zadek-Inszenierung besser aufgehoben wäre. Die zarte Romanze der lebenssüchtigen Felice und der NS-treuen Lilly ist somit blutleer und konstruiert – von Leidenschaft kaum eine Spur, da können die Bilder noch so stimmungsvoll sein. Das ist um so tragischer, wenn man sieht, mit wieviel Einfühlsamkeit Färberböck die restlichen Figuren und ihr Schicksal in Szene setzt und sich couragiert vom eklektizistischen Trend des deutschen Kinos abwendet, um sich einer wenig massenwirksamen Geschichte zuzuwenden und (düstere) deutsche Vergangenheit als Kinostoff zu entdecken. Ein mutiger Film. Mit einem erheblichen Schönheitsfehler. (vs)

Aimée und Jaguar (Poster)