Ai Weiwei: Never Sorry

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Ai Weiwei ist sicherlich der wichtigste Künstler des Jahrzehnts. Zum einen, weil der 54-Jährige anders als viele chinesische Gegenwartskünstler weniger auf kunstmarktkompatiblen Political Pop setzt als auf Aktionen im Sinne der beuysschen sozialen Plastik. Zum anderen, weil Ai wie kaum ein anderer Künstler Blogs und Twitter als Mittel der politischen Kommunikation einsetzt. Die US-Dokumentarfilmerin Alison Klayman nähert sich dem Phänomen Ai Weiwei über seinen Umgang mit dem 2008er Erdbeben in Sichuan an: Der Künstler prangerte hier Korruption und Schlamperei der chinesischen Behörden an und deutete dieses Anprangern zur Kunstaktion um. Klayman zeichnet Ai als Lichtgestalt, für Kritik am Künstler als Darling der globalen Vernissagengesellschaft bleibt genauso wenig Platz wie für ein Hinterfragen von Ais Freiheitsbegriff oder ein Beleuchten seiner durchaus regimenahen Rolle als Architekt. Statt Analyse liefert der Film eine Heldenlegende, untermalt von süßlicher Musik – der wichtigste Künstler des Jahrzehnts hätte ein wenig mehr verdient. (fis)

Ai Weiwei - Never Sorry (Poster)