Agnes und seine Brüder

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Im Vergleich zu seiner überdrehten Satire „Suck My Dick“ und dem theatralischen Beziehungsmelodram „Der alte Affe Angst“ ist Oskar Roehlers neuer Film geradezu zahm und realistisch. Ein schwuler Vater und seine drei Söhne: der eine transsexuell (Martin Weiß), der andere ein linker Dosenpfandpolitiker (Herbert Knaup) mit gescheiterer Ehe (Katja Riemann als Zicke) und der dritte ein sexsüchtiger Bibliothekar (Moritz Bleibtreu). Überall herrscht Triebstau, mit fatalen Folgen. Schwupps wird da mal aus sexueller Frustration der private Hanfanbau der Ehefrau mit der Heckenschere niedergemacht. Was wie eine Parodie auf ein Fassbinder-oder Visconti-Melodram beginnt, verplätschert schließlich als Ideensammelsurium. Für ein Späßchen schiebt Roehler Gaststars wie Til Schweiger und Oliver Korittke ins Bild, oder es tönt Joschka Fischers Stimme aus dem Telefon. Die Darsteller haben zwar sichtlich Spaß an ihren Rollen in dieser modernen Großbürgerhölle – doch die verschiedenen Handlungsstränge gleiten dem effekthaschenden Roehler zunehmend aus den Händen. (ascho)

Agnes und seine Brüder (Poster)