Adams Äpfel

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Rund 60 Filme kommen pro Jahr aus Dänemark. An jedem vierten ist Anders Thomas Jensen entweder als Autor („Mifune“, „Open Hearts“) und/oder Regisseur („Flickering Lights“) beteiligt. Der 34-Jährige beweist auch in seinem neuen Film ein Gespür dafür, wie man vertraute Geschichten so erzählt, dass sie in tiefschwarze Abgründe vorstoßen: Der Neonazi Adam (Ulrich Thomsen) wird zur Resozialisierung aufs Land geschickt. Gemeinsam mit einem übergewichtigen Alkoholiker und einem terroristischen Araber findet sich Adam in der Gemeinde-WG von Pfarrer Ivan (Mads Mikkelsen) wieder. Der ist ganz frommer Christ und hält stets die andere Wange hin: Weder durch Schusswaffengebrauch noch durch brutale Prügel von Adam oder einen spastisch gelähmten Sohn lässt sich der Gottesmann vom Weg abbringen. Die blinde Naivität des Gutmenschen vermag seine Schäfchen scheinbar zu wandeln … Regisseur Jensen gibt seinen skurrilen Gestalten menschliche Tiefe und gönnt seiner grotesken Geschichte über die Unveränderbarkeit des Menschen allerhand verrückte Hakenschläge: Raben, die sich über die Äpfel am Kirchbaum hermachen, werden kurzerhand vom Baum geschossen und Adams Nazifreunde ebenso schießfreudig vom Hof gejagt. Doch Jensen gelingt es, diese Überraschungseffekte stimmig, schlüssig und in souveräner Bildsprache zu entwickeln. (ascho)