Actrices – oder der Traum aus der Nacht davor

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Um runter zu kommen, geht sie schwimmen. Selbstvergessen zieht sie mit kräftigen Armzügen ihre Bahnen, als ließe sich so alle Last einfach wegdrücken. Marcelline (Valeria Bruni Tedeschi) steht unentwegt unter Spannung, sie gestikuliert hektisch, wirkt verhuscht und maßlos. Gleichzeitig ist sie ergriffen von einer tiefen Melancholie, ihre Blicke sind verklärt, und ihre Gedanken schweifen immer wieder in die Vergangenheit zu verflossenen Liebhabern und zu ihrem toten Vater, der wie ein Gespenst plötzlich auf dem Sofa sitzt und einen selbstreflexiven Dialog mit ihr einfordert. So richtig voran kommt Marcelline eigentlich nur unter Wasser. Die begabte Theaterschauspielerin steht kurz vor ihrem 40. Geburtstag, sie will einen Mann und ein Kind und dass der beschwerliche Selbstfindungsprozess endlich ein Ende hat. Mit schnellen Bildern und abrupten Szenenwechseln inszeniert Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Bruni Tedeschi ein wirres Spiel mit Meta- und Bedeutungsebenen. Dabei geht das wirkliche Leben ebenso reibungslos in das gespielte Leben über wie das neurotische Treiben Marcellines gleichzeitg Beklemmungen auslöst und amüsiert. Das ist sehr überdreht, aber auch sehr erhellend. (mt)