Across the Universe

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Man muss dem Konzept Musical/Musikfilm schon etwas abgewinnen können, um an „Across the Universe“ seinen Spaß zu haben. Und man sollte die Beatles mögen, ohne ein Originalitätsdogmatiker zu sein. Julie Taymor hat die Liebesgeschichte von Lucy (Evan Rachel Wood) und Jude (Jim Sturgess) im Jahr 1967 zwar auf Grundlage von Beatles-Songs zusammengestrickt, die, von den Darstellern gesungen, weite Teile der Handlung erzählen – die Regisseurin von „Frida“ und dem Broadwaymusical „Der König der Löwen“ setzt die Klassiker aber subversiv ein und lässt ihren Akteuren Raum für Interpretation: So wird „I wanna hold your Hand“ zur Hymne unerwiderter lesbischer Liebe und „I am the Walrus“ zum U2-Song, gesungen von keinem Geringeren als Bono selbst. Mit über zwei Stunden Länge nimmt sich das gewagte Experiment zwar auch Zeit für überflüssige Handlungstränge und und ist optisch nicht gerade stringent, sondern eine assoziative Aneinanderreihung von Einflüssen, die die 60er-Jahre und di8e Beatles gekennzeichnet haben. Doch wer den Highschool-Kitsch von „Grease“, das entfesselte Hippietum von „Hair“ und die schräge Sentimentalität von „Dancer in the Dark“ liebt, wird auch Taymors Musical zumindest interessant finden. Außerdem ist Haupdarsteller Jim Sturgess stimmlich, darstellerisch und optisch eine echte Entdeckung. (kab)

Across the Universe (Poster)