A War

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Der dänische Oscar-Beitrag ist ein vielschichtiges Drama über die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt. Claus Pedersen (Pilou Asbæk aus der Serie „Borgen“) befiehlt als Kommandant im Afghanistaneinsatz der dänischen Streitkräfte die Bombardierung eines Gebäudes, um sich und seine Kameraden aus einem Gefecht zu retten – doch das Ziel stellt sich als zivil heraus. Pedersen muss sich vor Gericht verantworten und findet sich in einem moralischen Zwiespalt wieder: Wenn er die Konsequenzen für sein Handeln trägt, droht ihm eine mehrjährige Haft. Sein einziger Ausweg wäre eine Lüge, um die Bombardierung zu legitimieren … Neben dem Kriegsalltag am Hindukusch zeigt der Film den Alltag von Pedersens Familie in Dänemark, die sichtlich unter der Abwesenheit des Vaters und Ehemannes leidet. Beide Realitäten nimmt Regisseur Tobias Lindholm immer wieder ganz nah und mit der Handkamera auf, was dem Film in der ersten Hälfte eine bedrückende Intensität und Unmittelbarkeit verleiht. Und obwohl es nicht an Bildern getöteter Kinder und abgerissener Gliedmaßen fehlt, bleibt „A War“ in der zweiten Hälfte durch die Gerichtsverhandlung sachlich, fast kühl – und trennt so zwischen den aufreibenden Gefechtsszenen und der objektiven Beurteilung, ob Pedersen geltendes Kriegsrecht verletzt hat. Am Ende jedenfalls heiligt der Zweck, wie in jedem Krieg, die Mittel. (vw)

A War (Poster)