À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen

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À la Carte! - Freiheit geht durch den Magen | Kritik

Am Vorabend der Französischen Revolution im Jahr 1789 ist die Welt in der Provinz noch in Ordnung. Wir sind im Film À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen. Der Herzog de Chamfort empfängt hochrangige Gäste aus Paris zum Gelage, weil er in der Hauptstadt nicht nur kulinarisch reüssieren möchte. Sein Küchenchef Mancereon sorgt für die Gaumenfreuden und wird dafür überschwänglich gelobt. Doch als er eine Pastete mit dem schlichten Namen Köstlichkeit auftischt, kippt die Stimmung. Der anwesende Bischoff verdammt die aus Kartoffel und Trüffel bestehenden Teilchen – sie sind des Teufels. Als Manceron sich nicht entschuldigen will, bleibt dem Herzog in Abhängigkeit von der katholischen Kirche nichts anderes übrig: Er muss seinen geliebten Küchenchef feuern.

Manceron (Grégory Gadebois) geht gemeinsam mit seinen Sohn Benjamin zurück in die Heimat – in eine Poststation, in der er fortan nur noch Brot backt. Bis die undurchschaubare Fremde bei ihm auftaucht. Louise (Isabelle Carré ) will bei ihm in die Lehre gehen, ein Unding im 18. Jahrhundert. Ihre Behauptung, sie sei bei Hofe bis jetzt Marmeladenköchin gewesen, erweist sich als unwahr, und auch ihre nächste Legende, wonach sie Kurtisane gewesen sei, ist mit vielen Fragezeichen versehen. Nachdem Louise sich nicht zu schade ist, selbst demütigendste Arbeiten zu verrichten, lässt sich Manceron nach und nach erweichen.

Der Regisseur Éric Besnard wollte mit À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen einen Film darüber zu drehen, was Frankreich ausmacht. Es ist nicht einfach das Essen, es ist die Erfindung des Restaurants, deren Geschichte er mit dem Film erzählt. Dass er diese Geschichte in einem Setting des Friedens und der Harmonie erzählt, lässt „À la Carte“ zeitlich aus dem Rahmen fallen. Während in Paris die Guillotinen bereits vorbereitet werden, liefert sich Manceron von der Poststation aus einen Psychokrieg mit dem Herzog, seinem früheren Chef. Seine Poststation in der Auvergne gleicht eher einem Gebäude im Auenland als einem Zweckgebäude im 18. Jahrhundert, und die bettelnden Kindern rundherum erblühen im Armutschick. Sie werden später Mancerons Hilfskräfte sein, wenn er das erste Restaurant Frankreichs eröffnet.

Nimmt man aber dieses märchenhafte Setting großzügig an, ist „À la Carte“ ein schöner Film über einen sturen Koch und eine clevere angehende Köchin. Und in Sachen Kulinarik ist der Film extrem realistisch. Regisseur Éric Besnard hat eigens zwei bekannte Köche engagiert, die nicht nur Grégory Gadebois und Isabelle Carré den korrekten Umgang mit Lebensmitteln beibrachten. Die Köche Thierry Charrier und Jean-Charles Karmann waren darüber hinaus kulinarische Berater; sie recherchierten, welche einfachen Gerichte aus dem Mittelalter im 18. Jahrhundert noch immer zubereitet wurden – es waren viele. Sie bestimmten auch, wie weit Regisseur Besnard gehen konnte mit seinem Plan, dem Koch Manceron die Pläne einer regionalen Küche ins Drehbuch zu schreiben. Und sie zauberten an jedem Drehtag das Essen auf den Tisch, das im Film zubereitet wird.

Liebhaber der französischen Küche und historisch interessierte Gourmet, aber auch alle, die gerne in ihrer Freizeit kochen, sind in À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen bestens aufgehoben, denn der Film ist eine Hommage ans Kochen und ans Essen in der Gemeinschaft. Wie letzteres als Privileg des Adels verschwand und in die Hand des Bürgertums überging: Davon handelt der Film im Kleinen.

Jürgen Wittner

À la Carte! - Freiheit geht durch den Magen | Fotos

À la Carte! - Freiheit geht durch den Magen | Besetzung

À la Carte! - Freiheit geht durch den Magen (Poster)