A Girl walks home alone at Night

„Muss man sehen“ kulturmovies

Der Vampirwestern ist ein eigenartiges Bastardgenre, das europäische und amerikanische Mythen verknüpft. Und wenn ein Vampirwestern nicht einmal im Westen spielt, sondern im Nahen Osten, genauer: im Iran, dann ist die Verwirrung perfekt. „A Girl walks home alone at Night“, das Regiedebüt der iranischstämmigen Amerikanerin Ana Lily Amirpour, kommt genregemäß düster daher: Eine namenlose Vampirin (Sheila Vand) skatet im stilvollen Schwarzweiß durch eine runtergekommene Erdölstadt und meuchelt Unholde – bis sie Arash (Arash Marandi) begegnet und sich eine zarte Liebe entwickelt. Amirpour hat zwar komlett auf Farsi gedreht, ihr Film ist allerdings eine US-Produktion, die im kalifornischen Taft entstand. „A Girl walks home alone at Night“ lässt sich also nicht als Teil der iranischen Filmszene sehen, was sich deutlich in Amirpours Bildern von Sexualität und Gewalt zeigt – Bilder, die so nicht durch die Zensur der islamischen Republik gekommen wären.

„A Girl walks home alone at Night“ übertüncht Handlungsarmut

Entsprechend befinden wir uns an einem Nichtort, der zwar behauptet, iranisch zu sein, aber mit seinen amerikanischen Vorgärten seltsam entrückt daherkommt – ein Ort zwischen den Welten, zwischen Leben und Tod. Ein Ort, wie geschaffen für die wunderschöne Untote, die ihren Tschador nicht als religiöses Kleidungsstück trägt, sondern als düsteres Gothic-Accessoire, und die ihr blutiges Handwerk mit melancholischem, morgenländischen Indierock übertüncht. Was dabei allerdings auch übertüncht wird, ist eine gewisse Handlungsarmut – aber die hatte das ästhetisch wie inhaltlich verwandte Meisterwerk „Only Lovers left alive“ von Jim Jarmusch auch. (fis)

A Girl walks home alone at Night (Poster)