A Floresta de Jonathas – Im dunklen Grün

„Sollte man sehen“ kulturmovies

„A Floresta de Jonathas“ führt den Zuschauer in Randgebiete, und das gleich im doppelten Sinne: Das entlegende Amazonasgebiet Brasiliens, in dem der Film spielt, ist eher unbekanntes Leinwandterrain, die Filmsprache, der sich Regiedebütant Sérgio Andrade bedient, ist nicht minder ungewöhnlich. Andrade erzählt die Geschichte einer Selbstfindung: Jonathas ist das Gegenteil seines kontaktfreudigen Bruders Juliano, sein Zuhause hat er noch nie verlassen. Bis ihn Juliano dazu überredet, gemeinsam mit der ukrainischen Touristin Milly zum Campen in den Dschungel zu fahren. Immer wieder zeigt der Film das titelgebende dunkle Grün des Urwaldes, unergründlich und unheilvoll – auf der Suche nach wilden Passionsfrüchten, die er für Milly pflücken will, verliert sich Jonathas schließlich darin … Durch die irreale Atmosphäre, die Andrade vor der Kulisse des geheimnisumwitterten Regenwaldes entwickelt, erinnert sein Film am ehesten an den Cannes-Gewinner von 2010, „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“, nur ohne dessen mythologischen Überbau. In langen Einstellungen überlagern sich Traum und Wirklichkeit, vom existenzialistischen Trauerspiel bis zur Meditation über das Fremdsein sind viele Deutungen möglich. Eine Grenzerfahrung, aber eine lohnenswerte. (sb)