A Beautiful Day

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Eigentlich der Stoff für einen schnörkellosen Genrefilm: Ein beschädigter Antiheld, der eben tun muss, was er gelernt hat, und der seinen neuen Auftrag zur persönlichen Mission macht – es geht um Menschenhandel, um ein Kind, um Rache. Lynne Ramsay, die uns zuletzt mit „We need to talk about Kevin“ (2011) vor schier unlösbare Aufgaben über Ursprung und Wesen des Bösen stellte, macht aus dieser Prämisse keinen gradlinigen Ein-Mann-sieht-rot-Film – allenfalls einen kakophonischen Remix davon. Ramsay ist die große Antipsychologin des amerikanischen Kinos: Die innere Versehrteit ihres Protagonisten, den Phoenix als stoisch brodelnden Felsbrocken von einem Menschen spielt, bricht sie nicht auf ein Schlüsselerlebnis herunter, sondern lässt bruchstückhafte Flashbacks als Ahnungen eines Traumas in die Gegenwart platzen. Keine 90 Minuten dauert die Tour de Force, und seine Verknappung macht den Film umso intensiver. Ein zersplittertes Werk, das immer kurz vorm Kollaps steht – am Ende steht ein resignierter Kopfschuss in Gedanken, der in der Realität nachhallt wie auch der Film selbst. sb

A Beautiful Day (Poster)