300

„Kann man sehen“ kulturmovies

Die besten Soldaten, die je es jemals gab, Kämpfer, die niemals zurückweichen, niemals aufzugeben und für die es die größte errreichbare Ehre ist, einen glorreichen Tod auf dem Schlachtfeld zu sterben. Das ist keine Charakterisierung dschihadistischer Terroristen, keine Beschreibung der Eigenschaften von US-Marines, kein pathetischer Satz aus dem Lehrbuch der SS. So beschreibt die Erzählstimme in Zack Snyders Comicverfilmung die spartanischen Krieger im Kampf gegen die Übermacht der persischen Eroberer. 300 Krieger sollen es gewesen sein, die sich 480 v. Chr. dem Hundertausende umfassenden Heer aus dem Orient entgegenstellten, um ihr Vaterland zu verteidigen. Visuell ist Snyders komplett vor der Green Screen gedrehtes Schlachtengemälde in der Tat ein kunstvolles Bildnis: Gold-und bronzetöne tauchen das blutrünstige Gemetzel in eine Sonnenuntergangschönheit, die bis in die totale Künstlichkeit reicht. Massenszenen der gesichtslosen Angreifer, pathetische Dialoge der Ruhm strebenden Spartaner an Steilklippen: All das könnten auch digitale Scherenschnitte oder Kupferstiche sein. Doch außer, dass man sich an diesem ästhetischen Fest mit der Zeit satt sieht und der x-te Speer, der einen Körper durchbohrt, irgendwann seinen morbiden Reiz verliert, gibt es in „300“ keine Entwicklung. Snyder hebt ohne zweiten Blick in den Rezeptionsrückspiegel fragwürdiges, ja, bedenkliches Heldentum auf einen schimmernden Thron. Menschen, die ihr Leben für eine vermeintlich gerechte Sache opfern, gibt es im Irak auf jedem Marktplatz und vor jedem öffentlichen Gebäude – nur tragen sie keine Lanzen, sondern Sprengstoffgürtel … (vs)