25 Stunden

„Muss man sehen“ kulturmovies

Es sind nicht mehr allein die Rassenprobleme und der Zusammenprall der Kulturen, die Spike Lee interessieren. Mit „25 Stunden“ wagt er durch die Hintertür ein Psychogramm der amerikanischen Seele nach dem 11. September. Erzählt wird vordergründig vom letzten Tag, den der New Yorker Drogendealer Monty (Norton) in Freiheit verbringt. Danach wird er eine siebenjährige Haftstrafe antreten. Letzte Chance, sich von Freunden zu verabschieden und das Leben auf die Reihe zu bringen. Doch der grotzkotzige Broker (Barry Pepper), der in seine Schülerin verliebte Lehrer (grandios: Philip Seymour Hoffman) und nicht zuletzt der melancholisch-sensible Monty – sie sind gebrochene Gestalten in einem Abgesang, der sich langsam und ruhig entfaltet. Kein Stolz, kaum Hoffnung. Unaufdringlich, aber immer präsent ziehen sich die Folgen von 9/11 wie ein roter Faden durch den Film. Patriotische Beflaggung am Auto, die Fotos der toten Feuerwehrmänner in der Kneipe und nicht zuletzt der Blick aus der Wohnung auf Ground Zero: die kollektive Wunde der amerikanischen Gesellschaft. (ascho)

25 Stunden (Poster)