12 Meter ohne Kopf

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Im marktstrategisch günstigen Fahrtwind der „Fluch der Karibik“-Trilogie versucht sich Regisseur Sven Taddicken („Emmas Glück“) an einer Piratenkomödie auf norddeutschen Gewässern. Mit der Männerfreundschaft zwischen Klaus Störtebeker und Gödeke Michels gräbt er einen 600 Jahre alten Mythos aus, den er sprachlich in die Moderne holt. „Fickt die Hanse!“, brüllt die Mannschaft, als sie die üppig beladenen Schiffe der vornehmen Handelsgesellschaft plündert. Was vom Duktus her beim mit Popkulturmythen spielenden „Ritter aus Leidenschaft“ (2001) mit Heath Ledger funktionierte, glückt auch hier. Taddicken und sein Autor Matthias Pacht widerstehen der Versuchung, ihren Slangdialogen zuviel Klamauk aufzuerlegen. So kann der Film als saloppe Buddykomödie überzeugen, zumal Ronald Zehrfeld seinen Störtebeker als wuchtig-weichen und vor allem selbstzweiflerischen Freibeuter spielt. Dramaturgisch ist „12 Meter ohne Kopf“ allerdings nur ein laues Lüftchen – die Story konzentriert sich mehr auf die brühwarmen Frauenprobleme der beiden Helden. Und das sollen echte Piraten sein? (ds)