101 Reykjavik

„Muss man sehen“ kulturmovies

Stell Dir vor, du lebst mit deiner Mutter und ihrer, von dir schwangeren Geliebten, unter einem Dach. Und das Dach ist klein. Mit einem unvergesslichen Koitus beginnt diese melancholische Groteske, dieses Coming-of-Age-Movie eines erwachsenen Muttersöhnchens. Zwischen Wollpullovern, Blümchen-Sex und Hornbrille pflegt „Held“ Hylnar seine Wehleidigkeit wie ein Schoßhund, dem man zum ersten Mal auf den Schwanz getreten hat. Doch Regisseur und Nebendarsteller Kormákur bewahrt seinen Erstling vor penetranter Nabelschau, indem er stets die Balance zwischen Märchen und Alltag, Distanz und Nähe hält. Er scheint die Macken seiner Figuren nur auszustellen, um dahinter verborgene Stärken hervorzulocken. Von stiller Größe zeugt, wenn Hylnar das eigene Scheitern pathetisch inszeniert: Die einzigen Zuschauer seines grandiosen Selbsteinschneiens sitzen im Kino. Das Regiedebüt des Jahres 2000. (rk)

101 Reykjavik (Poster)