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Geheime Staatsaffären (2006)

Bewertung

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Filminhalt

Der Vorspann ist ein guter Scherz: „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Firmen sind – wie es so schön heißt – rein zufällig“, steht da zu lesen. Tatsächlich hat Claude Chabrol beim Schreiben seines 53. Films sehr wohl an den 1997er Bestechungsskandal beim französischen Konzern Elf Aquitaine gedacht. „Geheime Staatsaffären“ ist aber dennoch kein Politfilm, sondern ein Psychodrama. Im Zentrum steht eine ehrgeizige Untersuchungsrichterin mit dem vielsagenden Namen Jeanne Charmant-Killman (Isabelle Huppert). Auch, wenn Chabrols Nebenhandlungen etwas konstruiert sind, die Beziehungskrise der Juristin mit ihrem Mann eher behauptet denn entwickelt ist und Kameraarbeit und Regie routiniert sind: Es bereitet viel Vergnügen, dieser Richterin bei der Arbeit zuzuschauen. Wie die Huppert innerhalb weniger Minuten in einem Gespräch erst ihren stilvollen Charme spielen lässt, dann die unter Korruptionsverdacht stehenden Herren mit Ironie und eiskalter Härte abbürstet, schließlich lässig ihre Netzhandschuhe überstreift und die Männer wie Schulkinder zum Schämen in die Ecke schickt – das sind grandiose Kabinettstückchen! (ascho)